Leserbrief von Vagabonzi e.V. zum Thema „Straßenhunde in der Familie“

Leserbrief in der Snipp März bis Mai „Straßenhunde in der Familie“ in der aktuellen Ausgabe Juni, July, August

Der oben genannte Beitrag in  der letzten Snipp vom „Hunde-Coach“ Corinna Heidmann hat mich doch sehr verwundert und ich teile die Ausführungen größtenteils nicht.

Unser Verein Vagabonzi e.V. arbeitet seit vielen Jahren mit verschiedenen rumänischen Tierheimen zusammen und wir vermitteln ehemalige Straßenhunde aus Rumänien. Die geschilderten Probleme gibt es – allerdings sind sie vergleichsweise selten. Der Normalfall ist ein gut sozialisierter, freundlicher Hund, der sich nach allem was er erlebt hat, um Zuwendung und Aufmerksamkeit bemüht und gefallen möchte.

Woher kommen diese unterschiedlichen Erfahrungen?

Bevor die Autorin Probleme mit Straßenhunden auflistet, wäre es erforderlich gewesen, zu erklären, was sie unter einem „Straßenhund“ versteht. Natürlich gibt es verwilderte Hunderudel in den Straßen und diesen Hunden tut man keinen Gefallen, wenn sie mit Menschen leben sollen. Häufiger aber sind ausgesetzte Hunde, die ein Zuhause hatten. Diese Hunde sind sozialisiert mit Menschen und anderen Hunden und diese Hunde suchen die Nähe des Menschen.  Ich kenne keine Tierschützer, die halbwilde Hunde zu Vermittlung anbieten und auf die sozialisierten „Straßenhunde“ treffen die Darstellungen in dem Artikel nicht zu.

Ich habe in den Jahren so viele souveräne Hunde von der Straße erlebt, die freundlich auf andere Hunde und Menschen zugehen. Natürlich gibt es misshandelte Hunde, die zunächst vorsichtig und zurückhaltend sind. Natürlich ist auch mal ein schlecht sozialisierter Angsthund darunter, der in erfahrene Hände gehört. Der Dackel meiner Freundin, der aus einer Beschlagnahmung bei einem Züchter aus dem Kreis Plön stammt, gehört aber auch nicht in die Hände von Anfängern. Die Herkunft eines Hundes sagt erst einmal nichts über den Hund aus – vielleicht sollte man den Hund lieber einfach kennenlernen, statt zu pauschalieren. Hundetrainer sollten bedenken, dass nur die Problemhunde zu ihnen gebracht werden, all die Hunde, die keine Probleme machen, nicht.

Seriöse Vereine und Tierheime werden Interessenten ehrlich beraten, damit Mensch und „Straßenhund“ ein schönes, gemeinsames Leben haben. Meine Erfahrung ist leider: Wenn Interessenten beim seriösen Tierschutz keinen Hund bekommen haben, z.B. weil sie ganztags berufstätig sind, haben sie nicht selten kurz darauf einen Welpen vom „Züchter“.

Es stimmt, dass es Privatleute gibt, die sich unter dem Deckmantel des Tierschutzes mit dem Verkauf von Straßenhunden Geld verdienen (obwohl das heute aufgrund der in Europa erforderlichen Anforderungen an Einfuhr und Sachkunde nicht einfach ist). Mit der Vermehrung und dem Verkauf von gezüchteten Hunden aus Deutschland wird aber auch Geld verdient. Schwarze Schafe gibt es überall – das hat doch mit dem „Straßenhund“ nichts zu tun. All die Kollegen aus dem Vereinstierschutz, den Tierheimen und auch aus dem privaten Tierschutz, die ich kenne, setzen sich mit ihrer Zeit, ihrem Wissen und ihrem privaten Geld für diese „Straßenhunde“ ein – ehrenamtlich. Das ist der Normalfall!

Und zum Schluss: Ich weiß nicht, ob die Autorin schon mal in Rumänien oder einem anderen Land mit Straßenhundeproblematik war, ob sie dort Tierheime besucht hat, in denen die von Hundefängern gefangenen Hunde warten. Ich habe nicht den Eindruck. Mir bietet sich dort ein anderes Bild – Hunde, die einen so flehentlich ansehen, in deren Augen  so viel Hoffnung zu lesen ist, dass man sich ihnen zuwendet, dass sie ein wenig Aufmerksamkeit und Zuneigung bekommen. Ich bin mir sicher, dass diese Hunde der These, dass es für sie besser wäre, bei dichter Schneedecke und -30 Grad auf der Straße zu leben, unterernährt, voller Parasiten und von Hundefängern verfolgt, nicht zustimmen würden.

Ich lade die Autorin gerne ein, unsere Hunde kennenzulernen, unter denen es auch mal schwierige Hunde gibt – keine Frage -, die aber ganz überwiegend einfach nur nett sind. Ich würde keinen anderen Hund mehr wollen, als einen dieser besonderen Hunde  mit Vergangenheit.

Dipl. Biol. Kirsten Heinzel

Vagabonzi e.V.

www.vagabonzi.de, Tel. 0174 9478670